Schutzwaldsanierung am Gernköpfle

DAV-Sektion Oy/Allgäu kümmert sich um Schutzwaldsanierung

Seit 1990 Jahren betreuen Naturschützer der Sektion eine Bergwaldpflanzung oberhalb von Jungholz. Viele hundert Jungpflanzen sind am wetterexponierten Grat des „Gernköpfle“ gepflanzt und gepflegt worden. Das Hauptziel, den jährlichen Lawinenabgang zur Oberjochstrasse verhindern, ist erreicht.

Historie: Im Jahr 1990 setzten die Mitglieder der Sektion Oy den Naturschutzgedanken des Bundesverbandes in die Tat um. Zusammen mit dem Forstamt Immenstadt, Außenstelle Wertach wurde eine geeignete Bergwaldsanierungsfläche in der Nähe von Oy-Mittelberg ausgesucht, die Sektion übernahm die Schutzwaldpatenschaft. Das Ziel der Patenschaft hieß: Den geschädigten Schutzwald auf der Kuppe des Gernköpfle durch Neupflanzungen stärken, die Bildung der großen Wechte oberhalb der Strasse zum Oberjoch zu verhindern und so den gefährlichen Lawinenabgang durch das Steilgelände mit seinen Folgen für die Natur und die Bewohner des Tales zu unterbinden. Das kann nur ein gesunder Mischwald leisten. Daher wurden für den schnellen Erfolg viele Fichten gepflanzt. Die Fichten sollten rasch an Höhe gewinnen, einen natürlichen Windschutz bilden und die Ausbildung der Wechte verhindern. Wenige Jahre zuvor wurde auf die Länge von ca. 50 Meter ein vier Meter hoher Schneefangzaun errichtet. Er leistete in den ersten Jahren die Hauptschutzfunktion. Für den langfristigen Erfolg wurden ca. 2.300 Laubbäume gepflanzt. Bergahorn, Buche und Eberesche brauchen allerdings viel länger als die Fichten, bis sie ihre Funktion erfüllen. Sie bedürfen einer langjährigen und intensiven Pflege. Verbissschäden durch Rehe und Hirsche sollten durch Ausbringen von dieselgetränkte Lappen, an den Trieben angebrachte Schafwolle bis hin zu „Stinkbomben“ - mit penetrant riechender Flüssigkeit gefüllte Plastikflaschen verhindert werden. Geholfen hat nichts.

1991 wurde im Osthang ein 2 m hoher Weiderzaun mit ca. 50 Meter Länge aufgestellt. Rund 300 Fichten und 250 Weißtannen wurden inner-/außerhalb gepflanzt. 1x jährlich wurde eine Bestandsaufnahme erstellt. Dadurch wurde es möglich, den Verbissdruck aufzuzeigen.

Bereits 1995/1996 übernahmen die gepflanzten Fichten die Funktion des Schneefangzaunes. Der Zaun wurde 1997 abgebaut und als Verbissschutz genutzt. Von nun an ging es mit dem empfindlichen Pflanzen sichtlich bergauf. Jedes Jahr befreiten sie sich mehr aus dem Dickicht von Gras und Farn.

Besonders stolz sind die Naturschützer auf einige sich prächtig entwickelnde Weißtannen. Sie sind ohne menschlichen Eingriff aufgekommen, und werden nun liebevoll durch Einzelschutzmassnahmen hochgepäppelt. Da sie für Rehe und Gämsen ein besonderer Leckerbissen sind, ist es sehr schwierig ihren Verbiss zu verhindern. Die Weißtannen gehören seit jeher zum Bild eines gesunden Mischwaldes und sollen auch am Gernköpfle wieder heimisch werden.

Der dritte Partner im Kampf um einen gesunden Wald ist die „Alpgemeinschaft Schnitzlertal“ von Wertach, eine Vereinigung örtlicher Waldbesitzer. Ein Teil der Sanierungsfläche liegt auf ihrem Grund. Sie unterstützen die Arbeiten finanziell und durch Bereitstellung von Werkzeugen. Anfänglich eher skeptisch gegenüber den Bemühungen des DAV, unterstützen sie dessen Arbeit nun aus Überzeugung. Die ersten Erfolge der Kooperation von Forstamt Wertach, Alpgemeinschaft und DAV sprechen für sich.

Seit ca. 2000 ist das Hauptziel erreicht, es bildet sich keine gefährliche Wechte mehr. Die künftigen Arbeiten der Sektionsmitglieder haben zum Ziel, ein gesundes Gleichgewicht zwischen Nadel- und Laubwald herzustellen und durch Pflege der Naturverjüngung im extrem steilen Osthang das allmähliche Zuwachsen der Lawinenstriche einzuleiten.

Die Pflege beschränkt sich seit ca. 2002 weitestgehend auf die Erneuerung des Verbissschutzes der natürlichen Verjüngung und kleinflächige Neupflanzungen – hauptsächlich an den Rändern der Erosionsflächen. 

Die Belohnung für die langjährigen Bemühungen ist die Verleihung des „Alpinen Schutzwaldpreises 2007“ an  den DAV. Bei dieser Preisverleihung wurde unsere Sektion entsprechen namentlich gewählt. 

2009 wurde eine Generalsanierung aller Zäune durchgeführt. Organisiert und betreut wurde diese Aktion von der Forstverwaltung und dem Schutzwaldprojekt.