Hochtour Weißkugel        

Erlebnisbericht von Rosa-Maria Epp

Weißkugel, Sommer 2003

 


Donnerstag, 19.06.03

Am 19.06.03 trafen sich in der früh um 6.30 Uhr  Werner, Erika, Martin, Inge, Irmgard, Fritz, Bernhard und Rosa-Maria an der Ulrichsbrücke und fuhren gemeinsam auf zwei PKW´s verteilt ins Vinschgau. Nach 3,5 Stunden kamen wir im Matscher Tal an. Ganz hinten am Ende des Tales hatten wir unsere Autos am Gasthof Glieshof auf 1.824 m Höhe geparkt. In 2,5 Stunden erreichten wir die Oberettes Hütte auf 2.670 m Höhe. Auf einem romantischen Waldpfad mit vielen Blumen ging es stetig bergauf. Die Stimmung war sehr gut, die Rucksäcke schwer und weil wir Glückskinder sind, trafen wir durch Zufall auf den Hüttenwirt an der Materialseilbahn. Er hatte viele Kisten Bier geladen und nahm trotzdem noch die Rucksäcke von uns Frauen mit. Ab der  Materialseilbahn ging das Gelände steil in Serpentinen bergauf. Auf der Hütte angekommen stärkten wir uns mit Kaffee und Kuchen, Nudelsuppe mit Würstchen und kühlem Bier. 

Voller Tatendrang machten einige unserer Gruppe noch einen Nachmittagspaziergang auf den Hausberg Gamsbichl 3.151 m und genossen die Rundumsicht. Eisiger Wind blies uns ins Gesicht, der auch an den künftigen Tagen unser Begleiter war. Die ganze Gruppe hat sich für Halbpension entschieden und wurde mit einem Supermenü belohnt. Die Hüttenwirtin kochte sehr gut. Da die Hütte offiziell erst am nächsten Tag öffnet, waren wir fast alleine auf der Hütte. Als wir nach dem Essen zusammen saßen ging auf einmal geht die Türe auf und Albert trat herein. Er hatte die Tour ganz kurzfristig erfahren und sich über Margit Hösle Info geholt. Wie es sich an den kommenden anspruchsvollen Tagen zeigte, war die Verstärkung mit einem weiteren trittsicheren Kameraden gut.

Freitag, 20.06.03
Am 20.06. wurden wir von Werner um 6 Uhr geweckt. Er hatte sich für uns die Schwemser Spitze 3.456 m ausgesucht. Von der Hütte aus ging es gleich steil auf einem Geröllfeld bergauf. Zwei steile Schneefelder forderten unser Können. Werner schlug mit dem Pickel Stufen in den gefrorenen Schnee. Auf der Scharte angekommen freuten wir uns, schon die Hälfte geschafft zu haben. Viele Steinmandel standen herum, doch Werner dämpfte unsere Freude, denn bis zum Bildstöckle Joch 3.092 m war es noch ein gutes Stück Weg durch Schneefelder bergauf. Am Schwemser Ferner angelangt, wurde eine richtige Pause gemacht. Die Brotzeit hatten wir uns wirklich verdient. In zwei Seilschaften stiegen wir der Schwemser Spitze zu. 

Zu Anfang war der Ferner flach, dann folgte ein sehr steiles Stück und anschließend wieder ein mäßig steiles Stück bis an die Felsen. Nach kurzer Pause erklommen wir den Gipfel. Die Sturmböen waren so heftig, dass die Kletterei kein großes Vergnügen war. Schnell wurden einige Fotos geschossen. Total vermummt mit Pudelmütze, Handschuhen und Sonnenbrillen waren wir kaum zu erkennen. Beim Aufstieg hatte Werner schon eine Rinne für den Abstieg entdeckt, denn das brüchige Gestein war nicht ungefährlich. Das steile Stück auf dem Gletscher sind wir rückwärts abgestiegen und nun war alle Anspannungen von uns gefallen. Glücklich kehrten wir zur Oberettes Hütte zurück.

Samstag, 21.06.03
Am 21.06. war nun unser Höhepunkt. Die Weißkugel 3.739 m, stand auf dem Programm. Wieder wecken um 6 Uhr. Auf einer alten Moräne, Litzelepleis genannt stiegen wir bis zum Oberettes Ferner. Von dort an einer steilen Felswand empor bis zur Höller Scharte. Es war schon anstrengend, aber die Aussicht auf die Weißkugel, wie sie von ihrer schönsten Seite zu sehen ist, gab uns wieder Kraft. Nach kurzer Pause legten wir Gurte und Steigeisen an und nahmen den Matscher Ferner in Angriff. Viele Gletscherspalten mussten überwunden werden. Es war wenig Schnee auf dem Gletscher. Trotz Sonnenschein und bester Aussicht bliess uns der Wind erbarmungslos ins Gesicht. Wir merkten gar nicht, wie unsere Schleimhäute der Augen und Nase austrockneten. Am Ende des Gletschers, an einem steilen Schneegrat kurz vor dem felsigen Gipfel kehrten wir wieder um. Der böige Sturm war so stark, dass es uns zu gefährlich erschien weiter zu gehen. Wir stiegen wieder ein Stück ab und machten dort unsere Pause. 
Die Rundumsicht war fantastisch. Den Abstieg haben wir uns erleichtert, in dem wir die Gletscherspalten etwas oberhalb in Richtung Hintereisjoch überquerten. Auf der Höller Scharte wurde wieder eine Pause gemacht, ausgeseilt und die Steigeisen abgelegt. Nun beschlossen unsere erfahrenen Männer, den Abstieg über eine andere Route auf den Berggraten bis zu den Gamsbichl zu nehmen. Es war ein festes Gestein, gut markiert und mit etwas Geschicklichkeit leicht zu bewältigen. Mit Ausnahme von zwei Stellen am Anfang, die von Martin und Werner gesichert wurden. Nach 10,5 Stunden waren wir wieder auf der Hütte. Es war für alle ein Erlebnis. Ein typisches Werner-Schmankerl. Touren mit Pfiff. Kein einziges böses Wort ist innerhalb der Gruppe gefallen. So harmonisch und gut gelaunt wie wir uns es immer wünschen.

Sonntag, 22.06.03
Am 22.06. durften wir eine halbe Stunde länger schlafen. Nach einem gemütlichen Frühstück stiegen wir ab, tranken im Glieshof noch eine Kleinigkeit und fuhren heim. 
Ein wohl gelungenes, verlängertes Wochenende hatte sein Ende gefunden.

Hochtour Weisskugel 2003, Bild 1
Hochtour Weisskugel 2003, Bild 2
Hochtour Weisskugel 2003, Bild 3
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