| Brenta 2000 |
oder |
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Erlebnisbericht von
Der
Nationalpark Brenta im Herzen des Trentino ist mit seiner urwüchsigen
Landschaft ein ideales Refugium für eine kleine Gruppe dieser zotteligen
Raubtiere. Hier finden sie ein Rückzugsgebiet par excellence: tief
eingeschnittene Täler, dicht bewaldet und von weiten Hängen umgeben.
Steile Felswände begrenzen den kleingliedrigen Lebensraum. Für
wissenschaftliche Zwecke wurden im Sommer des Jahres 2000 in einem 4-Tages-Projekt
einige der zotteligen Riesen genau beobachtet und ihre Aktivitäten
aufgezeichnet. Damit die Studienobjekte leichter auseinandergehalten
werden konnten, wurden die Einzeltiere mit Namen bedacht. Es handelt sich
um eine gemischte Gruppe aus Jung- und Alttieren: Ludwig, Martin, Markus,
Willi, Gerda, Katrin, Christa, Rosi, Bene und Harry. Am
nächsten Morgen ziehen sie einträchtig über einen Wildwechsel, der
gleich an der Höhle beginnt, in Richtung Westen zur Bocca della
Tosa. Unterwegs entscheidet sich Bärin Rosi bald für den Abstieg. Sie
hat sich wohl an den Him- und Brombeeren der Abendmahlzeit den Magen
verstimmt oder schlecht geschlafen. Jedenfalls tapst sie mit einem enormen
Brummschädel den Weg entlang. Die Gruppe trottet ohne sie weiter. Das
intensive Beschnuppern in der Kennenslernphase hat offensichtlich dazu geführt,
dass der Einzelne bereit ist, seine persönlichen Ziele denen der Gruppe
unterzuordnen. Beim Verzehren der Höhlenvorräte bebrummen sie im ungewöhnlich reichhaltigem Bärenidiom die Erlebnisse des Tages. Leitbär Ludwig schlägt für den nächsten Tag einen Ausflug Richtung Norden über die hohen Grate zum Tuckett-Paß vor. Der Rückweg soll durch die Weideflächen der Osthänge führen. Gleich zu Beginn des Boccette Centrale-Steiges führt eine Wasserstelle einige Gruppenmitglieder in Versuchung. Mit eiserner Disziplin halten Ludwig und der Lumpensammler-Bär Bene die Tiere zusammen. Zügig und trittsicher überwinden sie die Engstellen auf den Felsbändern, neben denen es 3- bis 400 Meter senkrecht in die Tiefe geht. Fast
gelingt es den 10 Brenta-Bären, den Tuckett-Paß vor Ausbruch eines
Gewitters zu erreichen. Nur Brumm-Bär Harry macht nähere Bekanntschaft
mit dem seltsamen Summen der Luft, schüttelt die vibrierende Pranke und
gibt überrascht Laut. Der Rückweg über den Orsi-Wechsel fordert
von einigen die letzten Reserven. Den Duft der Heimathöhle in der Nase,
traben sie zügig durch den heftigen Regen, der ihren Pelz in Zotteln
herunterhängen lässt. An
diesem Abend werden die Höhlenvorräte in mehreren Gängen stark
dezimiert. Der Flüssigkeitsbedarf der Tiere ist so groß, dass einzelne
sogar leicht vergorene Vorräte in größeren Mengen zu sich nehmen. Die
unterschiedliche Altersstruktur der Gruppe wird an diesem Abend besonders
deutlich: die älteren Bären begeben sich bereits bei Mondaufgang zu
ihren Lagern. Die jüngeren bebrummen beim Licht von Vollmond und
Sternschnuppen persönliche Erlebnisse und sinnieren über den Sinn oder
Unsinn eines Lebens im Talgrund. Der nächste Tag bringt beim Abstieg zurück nach Madonna di Campiglio - bei herrlichstem Bären-Wanderwetter - einen Überblick über die Vorzüge dieses Reviers: In den Hochlagen Schnee- und Eisfelder, die die Bäche speisen, in den mittleren Lagen saftige Wiesen mit reichhaltigem Grünfutter und vielen Insekten und in den tieferen Lagen lichte Wälder, um sich vor den unzähligen anders artigen Besuchern dieser Region zu verbergen. Obwohl
sich der Bären-Trupp wieder in alle Winde zerstreut hat, ist bei der
starken Bindung der Tiere untereinander davon auszugehen, dass sie sich
gelegentlich - eventuell in einem anderen Tal - wieder treffen werden, um
ein neues interessantes Revier zu erkunden.
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