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Erlebnisbericht: Barbara Beck
Fotos: Sylvia Günther und Klaus Marek
Ausbilder:
Lipp Herbert
Teilnehmer: Christian, Sylvia, Barbara, Katrin, Jochen, Klaus, Renate
Skitourenkurs ein voller Erfolg!
Seit langem führte der DAV Oy wieder einen
Skitourenkurs für Neueinsteiger durch. Super, dachte ich und meldete mich
sofort bei Herbert Lipp, unserem Skihochtourenführer aus Lauben an. Natürlich
wollte ich wissen wo es denn hingeht und dachte dabei an einen schönen
Allgäuer Berg, Sonne, blauen Himmel usw. Die Antwort von Herbert war
jedoch ernüchternd. Am 29.1., 1.2. und 3.2. sind wir im
Gasthaus Rössle
in Oy. Drei Theorieabende mit jeweils rund drei Stunden waren angesagt.
Das kann ja heiter werden, dachte ich und so wurde es auch!
Ausrüstung, Tourenplanung, Lawinenkunde, Risikomanagement, behelfsmäßige Rettung,
Skibergsteigen umweltfreundlich
(was ist das?) usw. stand auf dem Lehrplan. Und schnell merkte ich, wie
wichtig jedes einzelne Thema ist und dass unser Ausbilder weiß, wovon er spricht!
Trotz der drei wirklich interessanten Abende - der
Höhepunkt war dann doch das Skitourenwochenende im Gunzesrieder Tal.
Am Samstag Vormittag übten wir in der Nähe unseres
Quartiers, der Otto-Schwegler-Hütte den Umgang mit den
unterschiedlichsten LVS-Geräten ("Pieps"). In Kleingruppen übten wir die
Vorgehensweise im Ernstfall. Signalsuche, Grobsuche, Feinsuche, Punktortung mit der
Sonde und das Ausgraben von Herberts Rucksack. Zwischendurch hörten wir
immer ein deutliches „Wumm“ der Schneedecke - nasser, schwerer
Schnee und eine
Lawinenwarnstufe zwei bis 1.600 Meter. Zwar war die Gruppe
super drauf und wir hatten unseren Spaß - trotzdem ein mulmiges Gefühl
überkam mich bei dem Ganzen schon! Hoffentlich muss ich das Gelernte nie
im Ernstfall einsetzen!
Nach einer Stärkung in der Hütte und einem Anpfiff
unseres Hüttenwirts Helmut, da wir uns zu nah am lawinengefährdeten Hüttendach
aufhielten, probierten wir das Ganze noch mal. Aber dieses mal ohne
Anweisung von Herbert und ohne zu wissen, wo Herberts Rucksack vergraben
ist - „der Ernstfall also“! Jochen übernahm das Kommando. Die drei
Helfer liefen im Abstand von ca. 9 - 18 - 18 - 9 Meter den ca. 50 Meter breiten
Lawinenkegel ab. Nach dem ersten Empfangssignal auf Jochens LVS-Gerät
folgte die Feinsuche nach den Feldlinien, Bilden des Stockkreuzes mit der
geringsten Entfernung. Die anderen Helfer hielten Lawinensonde und Lawinenschaufel
bereit und nach 10 Minuten war das „Lawinenopfer“, Herberts Rucksack
geborgen. Die wichtigste Erkenntnis der Übung: Koordination - wer macht
was?
Christian informierte uns anschließend über evtl. Erste-Hilfe-Maßnahmen am Opfer
- Überprüfen der Vitalfunktionen, Reanimieren.
Problematik von Kern- und Schalenblut bei Unterkühlung. Vorbereitungen
bei Helikopter Einsatz und organisierter Rettung, Wärmeschutz (Biwaksack), stabile
Seitenlage, Ansprache usw. Und dann natürlich die Bergwacht informieren - „Wer hat denn eigentlich die Telefonnummer?“
Nach einer kurzen Pause ging es dann Richtung
Osterberg. Für mich das erste mal Gehen mit Fellen. Das Wetter war ungemütlich
, Schneetreiben, Nebel, nasser Schnee - die Stimmung heiter! Herbert
unterwies uns in der
richtigen Spuranlage, nicht zu steil, nicht zu flach, das Gelände
ausnutzen - „des sollt au schee ausschaua“! Die Hangneigung im Blick
behalten, alles, was wir in den drei Theorieabenden gehört hatten über
Topographie (wo ist den hier Norden?), Hangneigung messen, mit der
Snow-Card rote und grüne Bereiche ermitteln, Exposition, Windzeichen …
„gibt es denn am Ende eigentlich ein Nachschlagewerk?“ An der
steilsten Stelle übten wir Spitzkehren und den Ski mit einem Kick wieder
in die gewollte Richtung bringen.
Am Bergrücken angekommen dicker Nebel, wir
kontrollierten mit dem Skisteckenpendel die Steilheit des Hangs ( größer
30 Grad ?) und machten uns dann an die Abfahrt. Unsere Könner, allen
voran Herbert, Jochen und Renate stürzten sich ins Vergnügen. Katrin und
Klaus ganz wacker hinterher. Christian, Sylvia und ich - wir erreichten
die Hütte dann auch noch.
In der Hütte folgte dann ein super Drei-Gänge-Menü
mit Salatbuffet, Spagetti und Nachtisch. Unser immer redseliger Wirt
Helmut schenkte noch selbstgebrauten Fichtennadelwein aus - für Katrin
und mich Holderlikör. Dann folgte die gründliche Planung der Tour am
Sonntag mit Karte,
Lawinenlagebericht,
Snow-Card usw.
Am nächsten Morgen starteten wir nach ausgiebigem
Frühstück inmitten mehrerer Gruppen von Skitourengehern und
Schneeschuhwanderern vom Parkplatz Rangiswanger Horn. Diesmal übernahm
Renate den LVS-Geräte Check. Beim Aufstieg auf die Holzschlagalpe machte
uns Herbert auf die Windzeichen aufmerksam - Gangeln, Dünen, Kolke,
sogar Kometenschweife. Wir erreichten steilere Hänge, gingen teilweise im
Sicherheitsabstand wegen Lawinenlagebericht Stufe 2 bis 3.
Nachdem Jochen die Brotzeit versagt wurde, stiegen
wir weiter auf und wurden doch tatsächlich mit Sonnenstrahlen und blauen
Himmelslöchern am Gipfel belohnt. Endlich die wohlverdiente Brotzeit,
Foto-Shooting von Sylvia und Klaus - und Herbert? Der grub zwischenzeitlich
in einer ca. zwei Meter hohen Wechte eine Höhle. Wir sollten ein Gefühl
bekommen, wie es ist, wenn wir mit der Sonde nicht auf einen Rucksack,
sondern auf einen Menschen stoßen. Also, Herbert legte sich in die Höhle
und wir fingen zu „stochern“ an. Für uns eine gute und wichtige
Erfahrung - und für Herbert ein paar blaue Flecken.
Die Abfahrt verlief recht flott, der Schnee war
pulvrig. Stürze gab es trotzdem. So näherten wir uns dem Ende einer
sagenhaften und interessanten Skitour, die wir in
Buhl`s Alpe heiter
ausklingen ließen.
Ein Hoch auf unseren Skitourenführer Herbert, der
uns heil ins Tal brachte und vor allem eine ganze Menge Wissenswertes und
Wichtiges zum Thema Skitouren beigebracht hat! Bergheil auf die nächste
Tour - vielleicht im
Lechtal.
Ein Gruß an alle Teilnehmer und künftigen Interessen - Barbara
Soweit die Ausbildung aus Sicht der Teilnehmer.
Aus Sicht des Ausbilder sahen die wesentlichen Kurs-Inhalte so aus:
LVS Kontrolle und Ausrüstungscheck
Erlernen der Suche nach einem Lawinenverschütteten mit LVS-Geräten und
Lawinensonde. Aufgeteilt in Signalsuche, Grobsuche, Feinsuche und
Punktortung mit der Lawinensonde. Effektives Ausgraben mit System. Überprüfen
der Vitalfunktionen, Reanimieren. Problematik von Kern- und Schalenblut
bei Unterkühlung. Vorbereitungen bei Helikopter Einsatz und organisierter
Rettung.
Einführung zum lösen einer Mehrfachverschüttung
mit Signalüberlagerung
durch 3-Kreis-Methode.
Ausbildung Samstag Nachmittag im Bereich des Ostertalberg 1.383m und
Mittelberg Alpe.
Elementare Geh- und Abfahrtstechnik mit Steigfellen. Richtungsänderung
durch Bogentreten, Kickkehre, Doppelkickkehre. Optimale Spuranlage durch
Geländeausnutzung. Hangneigung schätzen und messen mit Pendeltrick.
Erkennen von Hangexpositionen, Geländeformen, Windzeichen und
Alarmzeichen im Abgleich mit dem Lawinenlagebericht.
Tourenplanung mit Topographischer Karte, Lawinenlagebericht und Snow Card.
Ermitteln von Hangneigungen, Expositionen, Hangformen, erkennen von
Gefahrenstellen, festlegen von Checkpunkten und erstellen von
Entscheidungsszenarien , beurteilen des Risikopotentials und Vorsichtsmaßnahmen.
Ausbildungstour am Sonntag:
Vom Ostertal auf den Großen Ochsenkopf 1.662m über Holzschlag Alpe,
Ober Alpe und die Nordost-Flanke auf den Gipfel.
Übertragung der Tourenplanung mit den Checkpunkten und der erstellten
Szenarien ins Gelände. Anwenden von Entlastungsabständen, einzeln Gehen,
sichere Sammelplätze. Einzugsbereiche beachten. Spuranlage, Erkennen und
Erfassen von Windzeichen und anderen Lawinenbildenden Faktoren
Karten:
Allgäuer Alpen, 1:50.000, Landesamt für Vermessung
Oberstdorf, 1:25.000, Landesamt für Vermessung
Literatur: Skitourenführer Allgäu, Panico Verlag, ISBN 3-926807-73-3
Tipps:
Einstieg ins
Skitourengehen:
Skitouren-Treff mit unserem Martin
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Spur OK, alles OK.
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