GTA Tour, Teil 2

14.07. – 23.07.2017

Teilnehmer: Manuel, Gaby, Katja, Nathalie  
Guide: Jochen Wilde
Bericht und Fotos: Nathalie

„Der Weg ist das Ziel“ – ein Motto, das in doppelter Hinsicht für unser „Projekt GTA“ gilt. Die Grande Traversata delle Alpi in mehreren Jahren zu durchwandern ist das eine Ziel, die wunderbaren Wege jedes einzelnen Abschnitts in all ihrer Unterschiedlichkeit zu erleben, das andere. Zu großen Teilen waren wir diesmal auf den Spuren der Walser unterwegs und streiften dabei unter anderem den Parco Naturale Alta Valsesia.

So freuten wir uns auf viele interessante Dörfer aus der Walserzeit, das bereits bekannt gute piemontesische Essen und grandiose Panorama-Ausblicke auf das Monte Rosa Massiv, welche uns für die ersten Tage Motivation für die Anstiege sein sollten. Leider hatten wir aber mit einem hochsommerlichen Wetterphänomen der Region zu kämpfen und mit den Ausblicken wurde es leider des Öfteren nichts…. Aber alle anderen Erwartungen an die GTA wurden erneut erfüllt!

Gestartet sind wir in Forno, einem Ort oberhalb des Lago d’Orta. Von dort ging es erstmal ganz gemütlich durch das für seine Tradition der Holzschnitzer bekannte Tal nach Campello Monti. Nach der obligatorischen Cappuccino-Pause begann der erste echte Aufstieg und wir bekommen einen Vorgeschmack auf die tägliche Routine: Den Berg ganz lange hinauf und auf der anderen Seite ganz lange wieder hinab. Die piemontesischen Berge sehen zwar fast lieblich aus und die Wege sind technisch einfach, aber die täglichen Höhenmeter wollen bewältigt werden. Belohnt wird man mit einsamen Wegen und der Gastfreundschaft der Piemonteser: Jeden Abstieg freuen wir uns auf das bevorstehende Abendessen und so werden wir auch in unserem erster Übernachtungsort Rimella nicht enttäuscht. In dem auf mehrere Weiler versprenkelten Dorf sehen wir die ersten der wunderschönen, alten Walserhäuser und die Zeit scheint hier still zu stehen. Wie in vielen Tälern des Piemont gibt es nur wenige dauerhafte Einwohner, die Landflucht hat aufgrund der geringen Einkommensmöglichkeiten deutliche Spuren hinterlassen. Der Tourismus ist hier nicht wirklich angekommen und so bietet er nur wenigen ein Auskommen für einige wenige Monate im Jahr.

Am nächsten Tag geht es in stetem Auf und Ab, vorbei an verfallenen Dörfern, kleinen Kirchlein und durch lichte Wälder und entlang eiskalter Gebirgsbäche auf die einfache, aber herzlich geführte Alpe Baranca in einem Hochtal, von wo aus am dritten Tag zum Colle d’Egua weiter geht und wir auf unseren ersten direkten Blick auf das Monte Rosa Massiv hoffen. Und tatsächlich sehen wir die Bergspitzen in fast voller Pracht. Manchmal schieben sich Wolken davor, sodass wir selten alle neun Gipfel gleich gut sehen. Noch wissen wir nicht, dass es der einzige Blick auf die Monta Rosa werden soll. Leider verhindern in Folge die Wolkendecke oder der Nebel der piemontesischen Berge die Sicht.

Der Zielort Carcoforo wartet wieder mit schönen altern Walserhäusern auf, aber auch der Einfluss weitgereister Handwerker des Tales ist spürbar: Einige Häuser tragen Elemente aus ganz anderen Regionen, wie etwa gusseiserne Balkone wie in Paris…

Am Folgetag erwartet uns der steilste Anstieg der Tour: „Steil, steiler, Piemont“ ist das Tages-Motto und so geht es für dreieinhalb Stunden stramm hinauf. Oben erwischt uns nicht nur der Nebel des Piemont, auch ein sehr pflichtbewusster und hartnäckiger Hütehund gibt uns deutlich zu verstehen, dass er unsere Anwesenheit nicht gutheißt.

Nach einem ausgiebigen Stopp im wunderschönen Rima, einem Ort, der es im 19. Jahrhundert zu einem gewissen Wohlstand brachte und mit einer Vielzahl schmucker Häuser besticht, verlassen wir für einen Tag die Originalroute der GTA. Jochen hat einen Tipp für ein noch schöneres bekommen und so laufen wir weiter nach Rima San Guiseppe. Von unserer herzlichen Pension, deren einzige Gäste wir sind, geht es anderntags durch das Val Nonai. Eine lohnenswerte Alternative ob der traumhaft schönen Landschaft in totaler Einsamkeit – kein Mensch begegnet uns.

Unser Zielort Alagna liegt im Herzen des Valsesia. Zuvor aber besuchen wir noch ein überaus sehenswertes Museum der Walserkultur in Pedemonte. Auch wenn der Ort vielleicht ein wenig zu schön rausgeputzt ist und man fast an Freilandmuseum denkt, bietet das Museumshaus überaus Interessantes und Wissenswertes über die bemerkenswerte Lebensweise der Walser.

Weiterhin hängen die Wolken tief und der Monte Rosa bleibt auch am nächsten Tag unsichtbar. Die einen bummeln daher noch ein wenig durch die Walsersiedlungen nahe Alagna, die anderen nehmen die Bahn auf die Höhe und wandern einen einsamen Talweg zum gemeinsamen Treffpunkt auf einer Walseralpe mit köstlichem Essen! Auf der GTA steht vor eben allem der Genuss und das Erlebnis im Vordergrund! Und das ist auch gut so, denn heute kommen wir erst nach einem heftigem Gewitter klatschnass in unserer Unterkunft und werden wieder mal verwöhnt.

Der nächste Tag wartet mit einem echten Erlebnis-Highlight auf! Alle sind sich einig: Das Val Vogna ist einer der schönsten Orte, die wir jemals gesehen haben! Die Einsamkeit, Wildheit und Vielfalt, die wir in den fast sieben Stunden der Etappe erleben dürfen, sind einmalig schön. Drei Pässe später, voll mit Eindrücken der sehr abwechslungsreichen Landschaft, aber auch froh über den Anblick der Hütte, kehren wir in das sehr ursprüngliche Rifugio Rivetti ein. Am Abend sind wir erneut erstaunt, was man so alles in einer spartanisch eingerichteten, abgelegenen Berghütte an kulinarischen Köstlichkeiten zaubern kann. Nach heftigen Abstieg nach Piedicavallo genießen wir erstmal ausgiebig die nun einsetzende Sonne bevor wir zur letzten Übernachtung auf der Route der GTA aufbrechen. Die Vielfalt bzw. Unterschiedlichkeit der Herbergen zeichnet die GTA aus und die Antica Locanda della Galleria Rosazza war sicher das skurrilste, was wir auf der Tour erleben…

Jochen hat für den Abschluss noch eine kleine Zugabe geplant: Zuerst steht die Besichtigung der immens großen Klosteranlage von Oropa an, die jährlich 800.000 Pilger anzieht und zum UNESCO Weltkulturerbe zählt. Da wir zeitig dran sind, können wir den Rummel etwas umgehen.

Mittags geht es dann mit der Bahn hoch auf den Monte Camino und weiter zur Capana Renata auf rund 2390 m. Die Hütte liegt nicht mehr auf der GTA Route, aber wir wollen auf dieser Hütte den letzten Abend der Tour verbringen, da sie so exponiert liegt, dass sie den Blick in die weite und nur 200 m hohe Poebene zur einen Seite und auf die 4000er der Westalpen zur anderen Seite bietet. Leider spielt uns erneut der Hochnebel einen Streich. Bis in den späten Nachmittag sitzen wir im Dunst der aufgeheizten Poebene, der die steilen Berge der Piemonteser Berge hochkriecht und uns jeglichen Blick in irgendeine Richtung verwehrt. Erst gegen Abend löst sich der Nebel auf und wir haben doch noch schöne Ausblicke. Und dennoch: Am letzten morgen im Piemont sehen wir sie nochmal die Monte Rosa Wand im Sonnenaufgang - zugegeben allerdings auch wieder nicht komplett.

Wieder einmal geht eine erlebnisreiche GTA Tour zu Ende, die ganz andere, aber ebenso interessante und sehenswerte Etappen geboten hat als die Anfangsetappen in 2016. Wir sind gespannt, wie es in 2018 weitergeht …