Hüttenwanderung im Piemont / Italien, einsam, kulinarisch, bunt

30.07. – 09.08.2016

Teilnehmer: Manuel, Klaus, Waltraud, Nathalie, Kathrin, Karina  
Guide: Jochen Wilde

Das Piemont ist bekannt für gutes Essen, gute Weine, für Ferrero, Fiat und einiges mehr. Aber dort wandern? Ja! Und zwar auf der Grande Traversata delle Alpi, kurz GTA – die große Alpendurchquerung. Piemont heißt übersetzt am Fuß der Berge. Der höchste Punkt liegt mit dem Monte Rosa auf 4.618. Das Meer ist nicht weit weg und nur wenige Wanderer oder sonstige Alpinisten zieht es dort hin. So starten wir am Nufenenpass in der Schweiz unsere einsame Tour gen Süden.

Am ersten Tag übernachten wir auch noch in der Schweiz in dem Ufo der Alpen – der Capanna Corno Gries. Das Wetter für den nächsten Tag lässt sich noch nicht richtig vorhersagen. Wir sind jedoch frohen Mutes. Es ist dann tatsächlich nicht besonders gut, aber richtig nass werden wir nicht. Die Sicht auf die umliegenden Berge ist dennoch getrübt. Bereits früh sind wir in der Einsamkeit unterwegs zur nächsten Hütte. Im Rifugio Magaroli bekommen wir es dann zum ersten Mal zu spüren – das piemontesische Essen, das italienische Flair. Die Hütte unterscheidet sich deutlich von den uns bekannten des DAV, ÖAV, SAV und AVS. Aber sie ist urgemütlich und bieten uns ausreichenden Komfort – so wird es auch weitergehen und wir freuen uns drauf.

Vor dem nächsten Abmarsch empfiehlt uns der Wirt noch einen anderen Weg, der nicht im Wanderführer steht. Später wissen wir warum – seenreich, menschenleer und wunderschön. Manuel kann es nicht lassen in deutlich über 2.000 m in den einen oder anderen See zu springen. Keiner tut es ihm nach. Es ist einfach zu kalt und so fällt die Pause am Übergang zur Alpe Devero nur kurz aus. Unten im Tal ist es dann wieder sehr angenehm und wir lassen den Tag bei 5 Gängen gebührend ausklingen. So abwechslungsreich kann es weitergehen und geht es auch. Die Einsamkeit untertags bleibt uns erhalten. Mal zieht ein Schäfer vorbei, mal sehen wir nur eine kleine italienische Familie auf unserem Weg. Sogar im Stockalperturm im schweizerischen Gondo haben wir das komplette Lager für uns alleine.

Am übernächsten Tag wird es jedoch sehr gesprächig auf unserer Tour. Wir sind auf einer Alp und kommen mit den Älplern ins Gespräch. Probieren Käse, philosophieren über die EU, die Schweiz, das Wetter, über Hütehunde, über die Leute – wir haben ja Zeit. Es ist kein Weg der Schnelligkeit verträgt.

Beindruckt sind wir vom Wasserreichtum und der Blumenvielfalt. Manuel kann zu fast allen Blumen etwas sagen und wir hören gespannt zu. Wir genießen dabei weiterhin, das ruhige piemontesische Flair – anders als im lauten südlichen Italien und freuen uns an der Landschaft und an Manuels Schwimmeinlagen.

Auf der Alpe de Laghetto kochen dann ehrenamtliche Mitglieder der Sektion – eine für uns völlig ungewohnte Art der Bewirtung. Das Team wechselt auch noch ständig. Dies sei hier jedoch und in den kleinen Hütten des SAC üblich wie wir von 2 Schweizern erfahren. Der Qualität tut das keinen Abbruch.

Beim Übergang zur nächsten Hütte verliert sich dann der Weg. Wir finden ihn jedoch auch ohne GPS schnell wieder. Zum ersten Mal kommt jetzt nicht nur bei Jochen die Idee auf dieses Gebiet auch mal im Winter zu besuchen. Nathalie fängt an die Hangsteilheit zu schätzen und zu überlegen, wie man diese Hänge am besten mit Skiern befahren kann und vor allen Dingen, wie man dahin kommt.

Leider stürzt Karina auf dem Weg zur Alpe Cheggio. Wir kehren an diesem Tag noch gemeinsam ein und Karina und beginnen schon jetzt die Heimreise. Wir jedoch gehen weiter und erreichen am letzten Abend nach 1.000 Höhenmetern und sengender Hitze auf der Alpe della Colma auf ca. 1.500 m einen Aussichtsplatz par exellance. Die Ebene unter uns liegt auf knapp 600 m und die Berge des Wallis im Hintergrund ragen deutlich über 4.000 m empor. Leider ist es in diesem Sommer derart trocken, dass wir heute nicht duschen können. Was soll’s – es waren die besten selbstgemachten Tagliatelle in der mit 8 Leuten nicht voll belegten Alpe unseres Lebens. Am nächsten Morgen auf dem Weg nach Hause nieselt es zum ersten Mal seit Tagen leicht. Wir kommen noch trocken nach einem anstrengenden Abstieg über wegloses Gelände und über Maultierpfade in Piedamulera an. Kurz bevor der Bus kommt fängt es an zu regnen. Was für ein Timing. Ab Domodossola geht es per Bahn zurück zum Auto.

Aufgrund der positiven Eindrücke und Erlebnisse setzen wir den Weg 2017 fort.